PRESENTATION

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Argument


Über eine rumänische Schule der Religionsgeschichte kann zur Zeit im post-kommunistischen Rumänien noch nicht die Rede sein, aufgrund von kultureller Absonderung und ideologischen Untersagungen der Zeispanne 1945-1989, trotz der Anwesenheit zweier markanter Vertreter in der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft, Mircea Eliade und Ioan Petru Culianu. Andererseits setzt sich in der rumänischen Kultur immer stärker die Notwendigkeit eines religionsgeschichtlichen Diskurses durch, parallel und unabhängig von dem theologischen Diskurs.

Die Erzeugung eines solchen analytischen und interpretativen Diskurses wûrde aber in erster Reihe durch die Einfûhrung dieses Studienfachs in die rumänischen Universitäten ermöglicht, umso mehr als sich dieses in den Lehrplänen europäischer und amerikanischer Universitäten einer langjährigen Tradition erfreut. Danach, um die Falle des Modells “Form ohne Fond” zu vermeiden, das im rumänischen Lehrwesen in den Ûbergangs- bzw. Krisenphasen wiederkehrt, mûsste eine solche Institutionalisierung nicht nut von der Dynamik und der Vergegenwärtigung der grundlegenden Forschung begleitet werden, sondern auch vom Fachliteraturvertrieb (durch die Ûbersetzung der wichtigeren Arbeiten) und der Grûndung von netzwerkartigen õrtlichen Forschungszentren (durch die Zusammenarbeit derer, die an der Religionsgeschichte Interesse aufweisen, im Rahmen von Fachzeitschriften). In diesem Sinne begrûβen wir die Anwesenheit der Zeitschriften Archaeus. Religionsgeschichtliche Abhandlungen (herausgegeben vom Religionsgeschichtlichen Zentrum der Bukarester-Universität) und Origines. Silvanische Hefte. Zeitschrift fûr kulturelle Studien (herausgegeben vom Traditionell-Kulturellen Zentrum Zalãu und der Origines-Gesellschaft). Wir glauben, dass derartige Zeitschriften sowohl zur Bildung von Fachleuten-Netzwerken auf dem gebiet der Religionswissenschaft beitragen kõnnen, als auch zur Koagulation des “Erwartungshorizontes” der Leser, indem sie die Notwendigkeit der religionsgeschichtlichen Forschung anregt und die Entwicklung des kritischen Geistes in diesem Bereich fõrdert. Weil in Rumänien, und das muss gesagt werden, mehr oder weniger konsistente Abhandlungen geschrieben aber meistens in Zeitschriften anderer Richtungen ûbersehen werden (geschichtliche, ethnologische und anthropologische, philosophisch-geschichtliche, theologische u.s.w.), kraft der untergeordneten Stellung, die dieser wissenschaftliche Bereich im Hochschulsystem einnimmt. Die vergleichende Religionsgeschichte ist ein Ûbergangsfach, das in unseren wissenschaftlichen Kreisen auf eine mehr oder weniger “spielmännerische” Art von den verwandten Bereichen mit “parasitären” Mitteln beeinflusst wird (Geschichte des Altertums, Mittelalters, der Moderne, Archäologie, Ethnologie, Anthropologie, Philosophie, Literaturgeschichte und-kritik, Kunstgeschichte, Theologie, Soziologie, Psychologie u.s.w.). Diese Tatsache weist die heimische kulturelle Notwendigkeit eines religionsgeschichtlichen Diskurses nach, die aber zu wenig von einem angemessenen kritischen Bewusstsein und einer strengen Methodologie, dem erforschten Gegenstand entsprechend unterstûtzt wird.

Das Projekt dieser religionsgeschichtlichen Zeitschrift versucht sowohl die Bildung eines interdisziplinären Netzwerkes von Spezialisten zu unterstûtzen, die an der Forschung des religiõsen Phänomens interessiert sind- umso mehr als der epistemische situs der Religionsgeschichte äuβerst offen gegenûber benachbarten und verwandten Bereichen ist- als auch die Einfûhrung der Religionsgeschichte als selbständiges Studienfach in das rumänische Hochschulwesen.

 

Bogdan Neagota

(Ubersetzung von Melina Cadar )